Die Hintergründe der Kurzgeschichte „Virtueller Meister“ – Die VR-App „mAister“
Eine Musikstunde zur Kunst der Fuge bei Johann Sebastian Bach selbst: was vor Kurzem noch absurd schien, macht die Software mAister des gleichnamigen US-amerikanischen StartUps möglich – zumindest virtuell.
Eine künstliche Intelligenz, gefüttert mit dem Werk berühmter Komponisten und umfassenden Informationen und Überlieferungen aus deren Leben und Wirken – bis hin zur Rekonstruktion derer Persönlichkeiten – erlaubt es, mittels VR-Brille mit längst verstorbenen Meistern der Musik in den Dialog zu treten. Der Avatar des ausgewählten Komponisten erscheint in täuschend lebensechter Gestalt im Raum des Nutzers und erlaubt den verzögerungsfreien verbalen Austausch im Stile der aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenkenden LLMs (large language models, z. dt.: große Sprachmodelle).
Scheinbar wie ein menschlicher Lehrer hört die KI dem Musizierenden zu und gibt Rückmeldungen zu dessen Spiel, liefert Tipps, Interpretationsvorschläge als auch Hintergründiges – spannende Anekdoten zu den Stücken inklusive. Das KI-Abbild agiert währenddessen wie eine echte Lehrkraft und ist in der Lage, sich im Gespräch detailliert über einzelne Stellen der Musikstücke auszutauschen sowie ein eigenes – ebenfalls virtuelles – Instrument zu bedienen.
Virtueller Unterricht – auch bei den Stars von heute
Wem das nicht genug ist, verspricht mAister künftig die gleiche Erfahrung mit dessen zeitgenössischem Lieblingsinterpreten bzw. -interpretin. Das Unternehmen erstellt gemeinsam mit interessierten Künstlerinnen und Künstlern deren digitales Abbild und musikalisches Profil, einschließlich einer Nachbildung der Persönlichkeit – ein Klon im digitalen Raum sozusagen. Die so erschaffenen lizenzierten KI-Versionen können von den Userinnen und Usern der App in „Meisterkursen“ hinzu gebucht werden und ihnen zu deren aktueller Musikliteratur Unterricht erteilen. Die Künstlerinnen und Künstler selber verdienen pro gebuchter Sitzung mit.
Stilistisch gibt es hier je nach Künstlerin oder Künstler jedoch noch Einschränkungen, nicht jeder Meister bzw. Meisterin traut sich den kompetenten Ratschlag in jeder Stilistik zu. Ein Künstler, der hier ungenannt bleiben möchte, gibt sich im Online-Treffen beeindruckt von seiner ersten Begegnung mit seinem virtuellen Selbst:
„Die Resultate sind schon erstaunlich, ich hätte mir tatsächlich größtenteils die gleichen Tipps gegeben. Und ein paar neue Anregungen meinerseits nehme ich gerne an.“, freut sich der 34jährige Pianist über den Meisterkurs bei sich selbst.
Das Feature wird allen registrierten Nutzern von mAister in Kürze zur Verfügung stehen. Nach Aussage des Unternehmens stehen bei Einführung in Kürze bereits „zwölf weltbekannte Künstlerinnen und Künstler über das gesamte Spektrum der Instrumente“ zur Buchung zur Verfügung.
Der Gang zur Musikschule erfüllt mehr Bedürfnisse
Medienwissenschaftler Jochen Dirks sieht den traditionellen Musikunterricht durch die neuen Technologien nicht in Gefahr: “Forschungsergebnisse belegen, dass junge Menschen mittlerweile Kommunikation über digitale Medien in Intensität und Bedeutung Treffen in Präsenz fast gleichsetzen. Der wöchentliche Gang zur Musikschule erfüllt jedoch neben der reinen Informationsaufnahme als soziales, strukturgebendes Event weitaus mehr Bedürfnisse gerade bei Menschen, die mitten in der Persönlichkeitsentwicklung stehen.”
Werden aber auch Klassenmusizieren und Gruppenunterricht bald mithilfe von Augmented Reality und VR-Brillen durchgeführt?
mAister-Mitbegründer Jaime Comeon zeigt sich offen für eine solche Perspektive: Wenngleich die Planungen dazu noch in den Kinderschuhen stünden, den virtuellen Instrumentallehrer als ständigen Begleiter im Einzel- als auch Gruppenunterricht könne er sich gut vorstellen.
Zumindest technisch liegt dies heute nicht mehr im Bereich des Unmöglichen – die Redaktion ist gespannt und berichtet!